Auf den Spuren des Ersten Weltkriegs

(Wo) Es ist ein Unterschied, ob man über die Materialschlacht von Verdun liest oder ob man in einem Trichter steht, den eine Granate vor über hundert Jahren in den Boden gerissen hat. Diese Erfahrung machten am 15. Juli 2026 die 49 Schülerinnen und Schüler der beiden zwölften Klassen des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums auf ihrer Exkursion in die Schlachtfelder von Verdun. Begleitet wurde die Gruppe von Herrn Wonschik, Herrn Pascheberg, Herrn Benz und Frau Seelig.


Um 7:00 Uhr setzte sich der Bus in Bewegung. Unser Fahrer Harald brachte uns zuverlässig und pünktlich über die Grenze nach Lothringen, sodass Verdun am Vormittag erreicht war.

Um 10:30 Uhr stand der Besuch des Mémorial de Verdun auf dem Programm. Das Museum, das unmittelbar auf dem ehemaligen Schlachtfeld errichtet wurde, führt die Besucherinnen und Besucher über mehrere Ebenen an das Geschehen des Jahres 1916 heran: Ausrüstung und Uniformen beider Seiten, Feldpostbriefe, Fotografien und Filmaufnahmen sowie eine eindrucksvolle Inszenierung des zerwühlten Geländes. Besonders die deutsch-französische Doppelperspektive der Ausstellung hinterließ Eindruck – hier wird nicht die Geschichte einer Nation erzählt, sondern die eines gemeinsamen Traumas.

Nach der Mittagspause folgte um 13:30 Uhr der nächste Programmpunkt des Tages. Zunächst führte der Weg über das Gelände des zerstörten Dorfes Fleury-devant-Douaumont. Das Dorf wechselte 1916 mehrfach den Besitzer und wurde dabei vollständig ausgelöscht; heute markieren lediglich kleine Stelen die Stellen, an denen einst Wohnhäuser, die Schule oder die Bäckerei standen. Fleury gehört bis heute zu den Ortschaften, die offiziell als „für Frankreich gestorben” gelten und nie wieder aufgebaut wurden.

Anschließend übernahmen Herr Wonschik und Herr Pascheberg die Führung durch das Fort Douaumont. In den kalten, feuchten Gängen der Festung wurde die Lebenswirklichkeit der Besatzung unmittelbar greifbar. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, wie das Fort im Februar 1916 nahezu kampflos in deutsche Hand fiel, welche Bedeutung ihm im weiteren Verlauf der Schlacht zukam und was die Explosion im Mai 1916 für die dort stationierten Soldaten bedeutete.
Im Anschluss führte der Weg über die Kraterlandschaft oberhalb des Forts. Der Boden ist bis heute von Einschlägen durchzogen, die der Wald nur notdürftig überdeckt – ein Anblick, der viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sichtlich beschäftigte und der mehr über die Intensität des Artilleriebeschusses aussagt als jede Zahlenangabe.


Gegen 15 Uhr erreichte unsere Gruppe das Beinhaus von Douaumont, in dem die sterblichen Überreste zehntausender nicht identifizierter Soldaten beider Kriegsparteien beigesetzt sind. Eine Filmvorführung informierte über den Verlauf des Ersten Weltkriegs und die Entstehungsgeschichte des Ossuaires. Der Blick über den davorliegenden Soldatenfriedhof mit seinen endlosen Kreuzreihen bildete den würdigen Abschluss des Tages.


Um 16:00 Uhr traten wir die Heimreise an; gegen 19:30 Uhr erreichte der Bus wieder Achern. Zurück blieben nachdenkliche Gesichter und der Eindruck, dass die im Unterricht behandelten Begriffe – Materialschlacht, Stellungskrieg, industrialisiertes Töten – an diesem Ort eine ganz andere Konkretheit gewinnen. Verdun ist heute ein Ort deutsch-französischer Verständigung. Genau das macht ihn zu einem Lernort, der weit über den Geschichtsunterricht hinausweist.


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